Blind UND blauäugig

Wie kurzsichtig, gar blind, künstliche Möglichkeiten mit natürlichen Notwendigkeiten und Symptombeseitigungen mit Heilungen gleichgesetzt werden, das kam bereits hier zur Sprache und soll nun noch etwas ergänzt werden. Anlass ist der diesjährige Medizin-Nobelpreis:

Waffen gegen den Krebs: Den Nobelpreis für Medizin 2018 bekommen zwei Forscher, die die Immuntherapie gegen Krebs entscheidend vorangebracht haben. Der US-Amerikaner James P. Allison hat ein Protein identifiziert, das die Immunreaktion gegen Krebszellen bremst und entwickelte eine Antikörpertherapie, die diese Bremse löst.

Quelle: scinexx.de

Gehörig aufs Tempo zu treten, um der Evolution vorauszueilen, das ist EIN offensichtliches Merkmal unseres technologischen, energieräuberischen Fortschritts. Das ist längst nicht nur in der Medizin der Fall, sondern allgegenwärtig im Alltag moderner, weiter fortschreitender Menschen. Vielleicht versuchen wir so, all den Problemen davonzueilen, die wir durch das Erschaffen neuer Probleme nicht wirklich lösen wollen, der Konsequenzen wegen. Lieber forteilen und die Eile als lukrative Beschleunigung unseres Fortschritts verkaufen. Und wehe, jemand tritt unterwegs auf die Bremse.

Man stelle sich einmal vor, was mit dem Leben geschehen würde, gäbe es keine zyklisch wiederkehrenden Bremsen, wie z. B. die Nacht oder den Winter. Oder den Zyklus der Sonnenaktivität, der enormen Einfluss auf das irdische Klima und damit auf das Leben auf der Erde hat. Gleiches gilt für all die Bremsen, über die unser Körper verfügt, damit es nicht zur Eskalation ungebremster Vorgänge kommt, wie es z. B. im Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus offensichtlich wird.
Aber, mag der Einwand lauten, wenn Krebszellen auf die Bremse treten können, dann muss Gas geben doch dringend vonnöten sein, damit das Immunsystem ordentlich, im Sinne des Körpers, arbeiten kann und die Krebszellen letztlich beseitigt.

Auf den ersten Blick mag das Lösen der Bremse in der Tat EINE gute Idee sein, gar EINE Lösung darstellen, doch wie fast immer offenbart sich erst auf den dritten Blick das eigentliche Dilemma, welches im Laufe der Zeit zum Multilemma entartet und nach mehr Energie verlangt, um weitere Probleme zu lösen. Jene Probleme, die auf den zweiten Blick schon EIN bisschen normaler erscheinen und ab da nicht weiter hinterfragt bzw. nicht weiter im Kontext der Lebensbedingungen betrachtet werden, weil der Fortschritt längst schon weiter vorausgeeilt ist.
Woraus indes das Multilemma der Ungebremstheit hervorgeht? Aus unserer Vorstellung, es gäbe von Natur aus biologische Systeme.

Im Grunde kann es kein Immunsystem geben, weil der Körper kein geschlossenes Objekt ist, das völlig isoliert von seiner Umwelt (über)lebensfähig ist. Die Reaktionen des Körpers, sie ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Körpermöglichkeiten und sämtlichen zyklischen (!) Einflüssen hier auf der Erde und jenseits davon, die den Körper beeinflussen. In Systemen zu denken und mit Tempo in diesen künstlichen Gebilden zur Tat zu schreiten, ist EINE Vereinfachung durch Kontextbeschneidung und hat einzig EIN Kettenhemd voller energieräuberischer Verkettungen zur Folge, das umso schwerer wiegt, je weiter EINE Spezies derart blind weiter fortschreitet.

Allein dadurch, dass die eingangs zitierte und verlinkte noble Therapie dem Körper EIN Immunsystem bescheinigt und ihn entsprechend zu behandeln versucht, sind weitere Probleme im Laufe der Zeit nicht nur für den Behandelten zu erwarten, sondern für die gesamte Spezies Mensch geradezu unausweichlich. Nur werden diese Probleme nicht mehr mit der zurückliegenden, scheinbaren Lösung des Krebsproblems in Verbindung gebracht werden. Vielmehr werden sie als ganz neue Probleme angesehen werden, derer sich der Fortschritt selbstverständlich annehmen wird. Daher ist unsere bisherige Form des technologischen Fortschritts EIN paradoxes Perpetuum mobile, schafft er doch, was diesbezüglich mit Energie nicht gelingen kann, nämlich, a) keineswegs EINE Utopie zu sein, sondern alltägliche Realität und b) ohne EINE wirkliche Lösung dauernd neue Probleme zu generieren – so, wie EIN utopisches Perpetuum mobile Arbeit ohne den Einsatz von Energie leisten soll.

Da verwundert es nicht, dass wir Menschen hinsichtlich unseres Fortschritts und dessen Möglichkeiten immer kurzsichtiger und blauäugiger dahingehend werden, was wirklich notwendig ist, um Probleme, mit immer weniger Energieraub, zu lösen, sodass weitere Lösungen für andere Probleme ermöglicht werden, anstatt immer mehr energieräuberische Probleme ohne Lösung zu erschaffen. Und falls jemand nicht blauäugig ist, nun, dem kann seitens des Fortschritts unnatürlich weitergeholfen werden. Bitte sehr:

Aus Braun wird Hellblau – Arzt ändert Augenfarbe mit Lasertechnik

Quelle: n-tv

Warum die Augenfarben seit Menschengedenken unter verschiedenen Lebensbedingungen verschieden ausfallen, das interessiert den Fortschritt natürlich nicht. Auch nicht, welche Bedeutung das Sonnenlicht für den Körper hat, bedingt durch verschiedene Augenfarben, sprich, durch unterschiedliche Konzentrationen von Melatonin in der Iris. Nicht, dass sich in Zukunft herausstellt, dass Sonnenlicht am Tage notwendig ist, damit der Körper beschädigte Proteine beseitigen kann. Solche, die unter anderem zu Krebszellen entarten. Wann der Körper natürliches Tageslicht zur Beseitigung nutzt? Dann, wenn von Natur aus keine Sonne scheint – in der Nacht. Aber auch in den Nächten und der dunklen Jahreszeit lassen wir fortgeschrittenen Menschen längst die Finger von natürlichen Bremsen und geben gehörig künstlich Gas. EIN Rattenschwanz, der EIN Farbamnesieschwarz als immer natürlicher werdend global verkauft – mit Profit, auf Kosten EINER Spezies und ANDERER Lebewesen ebenfalls.

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