Von großen Füßen und kleinen Quanten

Das Internet wächst und wächst … und doch taucht nirgends ein Computervirus auf, das, aus dem Netz heraus, sich selbst codiert hat. Dazu  braucht es die Codierfähigkeiten der Menschen. Bedenkt man nun, dass das Leben, quasi aus einem Wirrwarr von Möglichkeiten heraus, ähnlich dem des Internets, ohne derart fremde Hilfe hervorgegangen und, seit der ersten Zelle, selbsterhaltend, in all seiner Diversität und Komplexität, ist, kommt man nicht umhin zu fragen, wie das Leben dieses zu bewerkstelligen vermochte und noch immer, trotz unzähliger Einflussnahmen, vor allem unsererseits, vermag. Erst recht, wenn man sich vor Augen hält, wie viele (Re)Aktionen allein in einer einzigen Zelle koordiniert ablaufen. Erst recht, wenn man dieses Geschehen auf eine Zellgemeinschaft, z. B. ein Organ, überträgt. Erst recht, wenn man das Zusammenspiel aller Organe einer Lebensform bedenkt. Erst recht, wenn man das Zusammenleben vieler Mitglieder einer Spezies betrachtet.

Um dieser Fähigkeit des Lebens auf die Spur zu kommen, haben Jim Al-Khalili und Johnjoe McFadden ein interessantes Buch, mit dem Titel Life on the edge ( Der Quantenbeat des Lebens ), geschrieben, in welchem, nebst vielen anderen Themen, die Anforderungen an Quantencomputer näher beleuchtet werden, was die Fähigkeiten lebender Zellen noch bemerkenswerter erscheinen lässt, bezieht man obendrein mit ein, dass das Leben, im Allgemeinen, keineswegs unter kontrollierten, gleichbleibenden Laborbedingungen stattfindet.

Quantum physicists do their best to maintain coherence in the entangled qubits by working with very rarefied and carefully controlled physical systems, encoding qubits in a handful of atoms, cooling the system to within a fraction of absolute zero and surrounding their apparatus with extensive lagging to shut out any environmental influence.

Jim Al-Khalili and Johnjoe McFadden – Life on the edge – S. 338-339

Whatever approach the experimenters choose to take, the challenges facing them in turning the current generation of fledgling quantum computers into something useful remain immense. The biggest problem is scaling up. Each additional qubit doubles the quantum computation power, but it also doubles the difficulty of maintaining quantum coherence and entanglement.

Jim Al-Khalili and Johnjoe McFadden – Life on the edge – S. 338-339

Die Anforderungen, die an Quantencomputer, und damit an die Bewahrung von Kohärenz , gestellt werden, vermögen Lebewesen jedweder Größenordnung mit Leichtigkeit zu realisieren … und das in einem Umfeld, wie es Forscher im Labor möglichst, mit sehr viel energielastigem Aufwand, zu vermeiden versuchen.

Nun ist Kohärenz ein wesentliches Thema meines Romans, der den Quantenbeat des Lebens ANDERS in Worte kleidet, als es die beiden Autoren des Quantenbeats in ihrem Buch bewerkstelligen, und doch eröffnet deren wissenschaftliche Abhandlung, über das Leben am Rand zur Quantenwelt, den wesentlichen Unterschied zwischen Gesellschaften und Gemeinschaften, der sich zudem im entscheidenden Unterschied von Quantencomputern, wie wir Menschen sie im Sinn haben, und lebenden Zellen, wie sie von Natur aus allgegenwärtig sind, widerspiegelt. Sowie im Unterschied von gesunden Zellen und solchen, die wir als Krebs bezeichnen.

Der wesentliche Unterschied liegt, lange Rede, kurzer Sinn, in allen drei Fällen in der Art und Weise wie Energie, zur Schaffung bzw. Bewahrung von Kohärenz, zum Einsatz kommt. Dazu ein paar Überlegungen:

  • Gemeinschaft steht für Kohärenz
  • Gesellschaften stehen für Dekohärenz
  • je einfacher eine Lebensform verkörpert ist, desto größer kann die Gemeinschaft werden ( siehe Viren und Bakterien )
  • je mehr Mitglieder eine Gemeinschaft hat, desto eher ist Dekohärenz möglich
  • eine Gemeinschaft liegt nur dann vor, wenn zur Bewahrung ihrer Kohärenz keine Energie außerhalb des Wirkkreises der Gemeinschaft und außerhalb gemeinschaftlicher  Tätigkeiten dazu notwendig ist
  • eine Gesellschaft ist eine ehemalige Gemeinschaft, die über ihr Vermögen, Energie innerhalb ihres kohärenten Zusammenspiels zu beziehen, hinausgewachsen ist
  • Gesellschaften leben auf großem Fuß und übertreten fortwährend Grenzen
  • Gemeinschaften dagegen sind sich der beschränkten Reichweite ihrer Quanten bewusst
  • aus einer Gemeinschaft wird eine Gesellschaft, wenn die Gemeinschaft, über die Reichweite ihrer Quanten hinaus, beginnt Energie anderswoher zu beziehen
  • eine Gemeinschaft bedarf umso mehr Energie, je mehr Mitglieder sie hat
  • eine Gesellschaft bedarf umso mehr Energie, je mehr Dekohärenz zugegen ist
  • Kohärenz zu bewahren benötigt weniger Energie als weitere Dekohärenz zu vermeiden
  • Dekohärenz fördert den Raub von Energie, sowie weitere Grenzüberschreitungen
  • bilden sich Gemeinschaften in Gesellschaften, dann lebt die Gesellschaft auf Kosten dieser Gemeinschaften
  • eine Gesellschaft in einer Gemeinschaft kann eher wieder zur Gemeinschaft werden, als dass eine Gemeinschaft in einer Gesellschaft als Gemeinschaft überleben kann
  • einseitige Kontrolle kostet Energie
  • beiderseitiges Vertrauen setzt Energie frei

Sowohl in der Quantenwelt, als auch in allen Maßstäben der alltäglichen Welt aller Lebewesen, uns Menschen mit all ihren Kulturen und sozialen Verstrickungen inklusive, bestehen diese aufgeführten Punkte. Sie alle drehen sich, ausnahmslos, um Energie … in all ihren möglichen Darbietungen und Verteilungsformen. Wird einer Gesellschaft Energie entzogen, dann reagiert sie anders, als eine Gemeinschaft reagieren würde, egal, ob der Entzug langsam oder schockartig erfolgt. Einem Tumor im Körper, also einer Gesellschaft inmitten einer Gemeinschaft, die ihrerseits wiederum inmitten einer Gesellschaft wandelt, die Energiequelle Zucker zu entziehen, ist einzig eine Vereinfachung, die sich keineswegs verallgemeinern lässt. Zum einen, weil Zucker, selbst ein Einfachzucker wie Glukose oder Fruktose, nicht einfach nur Zucker ist, zum anderen, weil der Kontext, in dem Energie zur Wirkung kommt, entscheident ist. Wenn Metastasen, zum Beispiel, Expansionen eines Tumors sind, weil der Tumor selbst, an seinem Wirkungsort, einen Energiemangel erleidet, dann versucht der Tumor mittels Metastasen zu überleben. Weshalb er Grenzen dergestalt überschreitet, um anderswo nach Energie zu suchen. Es ist der Mangel an Energie vor Ort, der einen Tumor in alle Himmelsrichtungen streuen lässt … wie ein Unternehmen, welches ins Ausland expandiert, um neue Märkte zu erschließen. In beiden Fällen leidet darunter sowohl die Gemeinschaft am neuen Wirkort der Unternehmung ( der Metastase ), als auch die Gesellschaft am Ort des Unternehmens selbst ( des Tumors ). Erst wenn die Dekohärenz am Ort des Tumors (wieder) in Kohärenz überführt wird, bleiben (weitere) Metastasen aus. Wie ? Indem der Kontext vor Ort wieder gemeinschaftstauglich wird. Nicht indem die Vergesellschaftung weiter vorangetrieben wird. Wie im richtigen Leben. Egal an welchem Ort.

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