Ich LIEBE diesen Roman

OK … das waren nicht exakt die Worte meiner Frau, als sie nach 15 Seiten den Roman zur Seite legte. Sie sagte vielmehr:”Ich kann das nicht lesen, das ist zu metaphorisch und die Sätze sind so kurz. Das macht das Lesen nicht gerade angenehm”.
Nun, dem Roman zufolge hätte ich daraufhin sagen müssen:”Das ist ja fantastisch”. Stattdessen nahm ich ihre Worte keineswegs beleidigt zur Kenntnis, schließlich kenne ich ja ihren Geschmack. Man könnte bezüglich unserer verschiedenen Geschmäcker und Ansichten gar zum Schluss kommen, dass die beiden Hauptpersonen des Romans autobiographische Züge aus meinem Leben widerspiegeln 😉 … doch das sei nur am Rande erwähnt.

Wie dem auch sei … im Grunde bekam ich von meiner Frau genau die Reaktion, die der Roman wahrscheinlich überwiegend hervorrufen wird, denn nicht umsonst verstößt er so ziemlich gegen alles, was man von einem Roman heutzutage erwartet, der den Leser unterhalten bzw. auf andere Gedanken bringen soll. Vor allem, wenn es sich um einen Verkaufsschlager handelt.
Wenn Sie also das Buch gelesen haben sollten, dann würde ich mich über Ihre Meinung hier in den Kommentaren sehr freuen, egal, wie Ihre Kritik auch ausfallen mag.

Natürlich war es nicht meine Absicht ein Buch zu schreiben, was einem die Lust am Lesen verdirbt, vielmehr gehe ich dieses Risiko ganz bewusst ein, damit das Buch seine Wirkung erst im Laufe der Zeit langsam entfalten kann. Nur so vermag das Spiegelbild der Gesellschaft bewusst zu werden, welches das Buch, als Ganzes, darstellt. Mit dieser Herangehensweise sind wir modernen Menschen immerhin sehr vertraut, denn was unternehmen wir nicht alles, damit Unangenehmes möglichst langsam geschieht, um nicht sofort bewusst zu werden. Eines von vielen Beispielen ist die Kosmetik oder die Herangehensweise an diverse Finanzkrisen. Hauptsache das Unausweichliche weicht uns möglichst lange aus. Der Roman thematisiert auch dieses ausführlich, mit Hilfe von Metaphern und kürzen Sätzen, die zusammen anders erklingen, als beschriebe man es einzig wie bisher gewohnt …

Gerade das Ungewohnte zeigt sich jedoch, im Nachhinein, oft als sehr beständige Umgestaltung des bis dahin Gewohnten. Ich denke dabei an Musik, die bisherige Hörgewohnheiten komplett über den Haufen zu werfen vermag. So erging es mir in der Vergangenheit mit vier Alben, die noch immer, nach Jahrzehnten, nichts an ihrer ganz eigenen Poesie verloren haben. Diese Alben sind:

Tori Amos – Little earthquakes
Talk Talk – Spirit of Eden
Nirvana – In utero
The Police – Synchronicity

Und genau um diese Poesie geht es mir. Um sie mit Worten beschreiben zu können, bedarf es besagter Herangehensweise, die ich in den vorherigen Beiträgen zum Roman hier beschrieben habe. Allerdings braucht es auch die Bereitschaft der Leser sich gänzlich darauf einzulassen. Und es braucht Geduld. Selbst, wenn Sie das Buch nach ein paar Seiten entnervt in die Ecke legen. Vielleicht aber wartet das Buch dann einfach geduldig auf einen weiteren Versuch Ihrerseits. Vielleicht in einem anderen Kontext von alltäglichen Gegebenheiten …

Ich kann für mich jedoch, mehr denn je, sagen:”Ich LIEBE dieses Buch”.
Nicht nur, weil ich der Autor bin, sondern, weil es mir als Leser etwas ermöglicht, was ich bisher bei den meisten Romanen nicht gefunden habe … mit einer Ausnahme: Haruki Murakamis Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt. Poesie pur. Und eines der wenigen Bücher, die ich bereits mehrmals gelesen habe und wieder lesen werde. Mit Ich LIEBE meinen Tumor ergeht es mir genauso.

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